Freitagspredigt

Das Freitagsgebet wird jeden Freitag zur Mittagszeit verrichtet. Es ist der Höhepunkt des gemeinschaftlichen Gottesdienstes. Im Koran heißt es: ,,O die ihr glaubt, wenn zum Gebet gerufen wird am Freitag, dann eilt zu Gottes Gedenken und lasst das Kaufgeschäft. Das ist besser für euch, wenn ihr wisst. Wenn das Gebet beendet ist, dann breitet euch im Land aus und trachtet nach etwas von Gottes Huld. Und gedenkt Gottes viel, auf dass es euch wohlergehen möge“ (Sure 62,9–10).

Der Freitag ist für Muslime ein Feiertag, doch im Gegensatz zum jüdischen Samstag oder zum christlichen Sonntag kein Ruhetag. In den islamischen Ländern findet das Freitagsgebet in der Regel in der Zentralmoschee des jeweiligen Stadtteils bzw. der jeweiligen Stadt statt. In Deutschland gibt es keine Zentralmoscheen, da jede islamische Organisation ihre eigenen Moscheevereine unterhält. Deshalb wird hierzulande in einem Stadtteil zeitgleich in mehreren Moscheevereinen das Freitagsgebet verrichtet.

Im Mittelpunkt des Freitagsgebets steht die zweiteilige Predigt (Khutba), die vom Imam von der Kanzel (Minbar), einer hohen, mehrstufigen Plattform, aus gehalten wird. Bis auf wenige arabische Gebetsformeln wird die Predigt in der Regel in der Sprache der Gemeinde gehalten. In arabischen Moscheen spricht man Arabisch, in türkischen Moscheen Türkisch, in bosnischen Moscheen Bosnisch.

Das Freitagsgebet hat nicht nur eine religiöse, sondern auch eine sozio-politische Funktion. Bei einigen Moscheeverbänden werden die Themen der Predigt oder sogar die Predigt selbst von einem zentralen Ausschuss vorgegeben. So kann man etwa die Freitagspredigt der mehr als achthundert Imame der „Türkisch Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V.“ (DITIB) im Internet nachlesen (hier).

Inhaltlich bezieht sich die Khutba je nach aktuellem Anlass auf gesellschaftspolitische Themen, auf historische und nationale Ereignisse oder auf religiös-moralische Fragen. Am Tag der Frau mag der Imam etwa über die Stellung der Frau im Islam sprechen, am Muttertag über die Stellung der Mutter, am Ersten Mai über Arbeiterrechte im Islam. Eine wichtige Rolle spielen nach wie vor Themen der türkischen Geschichte und Politik, auch wenn sie mit der Lebenswirklichkeit der Gemeinden in Deutschland in den meisten Fällen kaum etwas zu tun haben.

Pro Moschee besuchen etwa 250 bis 300 Muslime die Freitagsgebete, an staatlichen Feiertagen oder in den Schulferien auch mehr. Die Imame erreichen mit ihren Ansprachen demnach Woche für Woche etwa 500.000 bis 600.000 Muslime.

 

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Freitagspredigt: Rauf Ceylan, Abdul-Jalil Zeitun im Gespräch.

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