Gemeindebetreuung

Neben der Leitung der Gemeinschaftsgebete und der religiösen Unterweisung hat ein Imam viele weitere Aufgaben. Er hat die rituelle Leichenwaschung durchzuführen und das Totengebet. Hinzu kommen in Deutschland darüber hinaus Seelsorge, Dialogveranstaltungen, Trauungen und Hochzeiten.

Auch bei Krankheiten oder bei „Besessenheit“ von Dschinnen (Geistern) gehen manche Muslime zum Imam, im Glauben daran, dass er durch die Rezitation des Korans oder durch Auflegen religiöser Amulette Heilung bewirken kann. Die magische Bewältigung von Lebensproblemen ist ein Volksglaube, der in der Türkei weit verbreitet ist und auch in Deutschland praktiziert wird – vergleichbar mit westlichen Varianten wie etwa dem Horoskop oder dem Lesen aus Karten.

Schließlich und endlich übernimmt der Imam die Beratung der Gläubigen in vielen Lebensfragen. Er wird bei Auseinandersetzungen in der Gemeinde gefragt und als Vermittler in Ehe- und Scheidungskonflikten aufgesucht. Da andere Hilfseinrichtungen wie etwa Familienberatungsstellen selten aufgesucht werden, gehen muslimische Paare oft auf die Vermittlungsbemühungen des Imams ein.

 

(Nach: Rauf Ceylan, Prediger des Islam, 2010, 26-38).

 

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