Was verdient ein Imam?

So unterschiedlich wie die Wege, Imam zu werden, sind die Aufenthalts- und Beschäftigungsverhältnisse der in Deutschland lebenden Imame. Grob lassen sich sechs Typen unterscheiden:

– Beamte
Die Imame der "Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V." (DITIB) sind Beamte des türkischen Staates und werden vom türkischen Staat bezahlt. Ähnlich wie Diplomaten werden sie nach einem Rotationsverfahren alle vier Jahre ausgetauscht. Sie haben ein sicheres Beschäftigungsverhältnis und werden gut entlohnt (zurzeit ca. 2.000 € plus 60% ihres Gehalts in der Türkei). Imamen, die gut Deutsch gelernt haben, wird mittlerweile angeboten, ihren Aufenthalt in Deutschland zu verlängern, um weiterhin für DITIB tätig zu sein. Denn deutschsprachige Mitarbeiter sind auch im größten muslimischen Verband nach wie vor rar.

– Angestellte
Angestellte Imame verfügen über einen relativ sicheren Einkommens- und Aufenthaltsstatus. Ein Imam des "Verbandes der Islamischen Kulturzentren e.V. "(VIKZ) etwa wächst in der Regel in den Verbandsstrukturen auf und wird auf einer der verbandseigenen Imamschulen ausgebildet. Ein solcher Imam bleibt der Linie seines Verbandes in der Regel sein Leben lang treu. Meist heiratet er eine Frau, die ebenfalls Mitglied im Verband ist. Auch die Kinder wachsen ganz selbstverständlich in den Einrichtungen des Verbandes auf.

– Pendel-Imame
Manche Imame reisen mit einem Touristenvisum ein und müssen alle drei Monate ausreisen, um wieder nach Deutschland einreisen zu können. Das durchschnittliche Alter dieser Imame ist relativ hoch. Viele DITIB-Imame arbeiten nach ihrer Pensionierung eine Zeit lang als Pendel-Imame in Deutschland. Ihr Lohn hängt von der Größe und Zahlungsbereitschaft der Gemeinde ab. Das Beschäftigungsverhältnis der Pendel-Imame ist meist unsicher. In der Regel zahlt die Moscheegemeinde den Lohn des Imams. Kommt es zu Streitigkeiten innerhalb der Moschee, sind Konflikte um die Bezahlung des Imams oft die Folge. Entsprechend hoch ist die Fluktuationsrate der Pendel-Imame.

– Heiratsmigranten
Heiratsmigranten-Imame reisen nach Deutschland ein, nachdem sie eine deutsche Frau geheiratet haben. Durch ihre Ehefrau haben sie einen gesicherten Aufenthaltsstatus. Eingestellt werden sie entweder als Vollzeit-, Teilzeit- oder als Hilfs-Imam nur für das Wochenende. Heiratsmigranten-Imame haben in der Regel ein höheres Bildungsniveau, ihre Erwartungen an den neuen Beruf sind hoch. Entsprechend häufig sind sie mit der tatsächlichen Situation unzufrieden. Darüber hinaus haben Heiratsmigranten-Imame oft persönliche Probleme, wie sie für ,,Import-Bräutigame“ typisch sind.

– Inländer
Eine kleine Gruppe von Imamen wächst in Deutschland auf, geht dann zum Studium in die Türkei oder in ein arabisches Land (in der Regel Syrien, Ägypten, Saudi-Arabien oder Jordanien) und kommt nach dem Examen zurück nach Deutschland. Die Situation der "Inländer" ähnelt oft der der Heiratsmigranten-Imame. Viele von ihnen wünschen sich, als Lehrer für Islamische Religion in Deutschland arbeiten zu können.

– Gastarbeiter
Die "Gastarbeiter" sind die Imame der ersten Stunde. Sie sind in den 1960er Jahren als Gastarbeiter eingereist und haben bei der Organisierung und Weiterbildung der in Deutschland lebenden Muslime eine zentrale Rolle gespielt. Ihre religiöse Bildung verdanken sie meist dem Besuch einer religiösen Schule oder dem Privatunterricht in den Gemeinden ihres Herkunftslandes. Bis in die 1980er Jahre hinein haben viele dieser Gastarbeiter-Imame zwei Berufe gehabt: Sie waren Arbeiter in einer Fabrik, oft im Schichtdienst, und sie waren Imam einer Moschee. Im Rentenalter sind Gastarbeiter-Imame oft als Hilfs-Imame aktiv, ehrenamtlich oder gegen geringe Entlohnung.

(Nach: Rauf Ceylan, Prediger des Islam, 2010, 41-43; Aysun Yaşar, Die DITIB zwischen der Türkei und Deutschland, 2012, 126-132).

 

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